Regionalabteilung

Regionalabteilung
Schatzkammer "Vogtland"

Sucht man als interessierter Bibliotheksfreund nach einer schlüssigen Definition der Bezeichnung "Regionalabteilung der Vogtlandbibliothek", so könnte man in etwas feuilletonistischer Ausdrucksweise sagen:
Die Regionalabteilung ist die bewährte "Fundgrube in vogtländischen Angelegenheiten" innerhalb der öffentlichen Bibliothek Plauens; eine Schatzkammer, in der (fast) alles gesammelt und wohlgeordnet aufgehoben ist, was Auskunft über die Region "Vogtland" und die Stadt Plauen von Anfang bis zur Gegenwart zu geben vermag.

Altes und Neues über die Geschichte des sächsischen und des ehemals reußischen, heute thüringischen Vogtlandes, über die Sitten und Bräuche der Menschen, die hier wohnten und wohnen, über die Schönheiten unserer heimatlichen Landschaft und über ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten findet der interessierte Bürger in dieser Abteilung.

Lesesaal
in der
Regionalabteilung

 

Der Grundstock für diese seltene Sammlung wurde durch die wertvolle Bibliothek des Altertumsvereins zu Plauen gelegt, die am Ende des 19. Jahrhunderts, kurz vor der offiziellen Eröffnung der Stadtbibliothek, den damaligen Plauener Stadtvätern übergeben wurde. Seit der Gründung spielte dann das Vogtland eine wesentliche Rolle in der Bibliotheksarbeit.

Nach der Anstellung eines hauptamtlichen Leiters im Jahre 1927 wurde daraus ein festes Programm, an dessen Erfüllung in immer steigendem Maße zähgearbeitet worden ist. Wie wichtig man diese Aufgabe nahm, zeigt ein Zitat des langjährigen Leiters Dr. Bruno Sauer. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise schrieb er 1930: "Ist also die Bereitstellung größerer Mittel allgemein ein notwendiges Erfordernis, so vor allem für den Ausbau des Gebietes, das in möglichster Vollständigkeit zu erfassen, die hauptsächlichste wissenschaftliche Aufgabe der Plauener Stadtbücherei ist: des Schrifttums zur Geschichte und Landeskunde des Vogtlandes und besonders seiner Hauptstadt Plauen ... Aber nicht nur größere Werke, sondern jede Art von Druckschriften ... sind der Stadtbücherei als Quellen zur Zeitgeschichte wichtig."1
Durch Ankäufe, Schenkungen und durch gute Kontakte zum Plauener Altertumsverein2 und zum Vogtlandmuseum sind die vorhanden Bestände in den vergangenen  hundert Jahren planmäßig erweitert worden. Ständig kamen neue Schriften hinzu. Von Doppelexemplaren abgesehen, wurde nur selten etwas ausgesondert.

Heute besitzt die Regionalabteilung ca. 6000 Titel aus fünf Jahrhunderten.3 Außer der Mathematik sind alle Wissenschaftsgebiete mit einer unterschiedlich hohen Zahl selbständiger Werke vertreten: Wissenschaft, Kunst und Musik, Religions- und Kirchengeschichte, Reise- und Wanderliteratur usw. Besonders breit ist das Angebot auf dem Gebiet der Geschichte und Ortsgeschichte. Naturwissenschaftlich oder technisch interessierte Leser können Werke zur Textilindustrie, zum Verkehrswesen, zum Bergbau und zur Geologie nutzen. Der größte Teil der Bücher, die nach 1945 erschienen sind, ist nach der allgemeinen Bibliothekssystematik, d.h. nach Sachgebieten aufgestellt. Die Ordnung älterer Werke ist unverändert aus den Magazinen in die Freihandaufstellung übernommen worden. Leider erschwert das z.Z. noch die Auswahl an den Regalen. Wer sich umfassend über das Angebot der Regionalabteilung zu einem bestimmten Thema oder über die Schriften eines bestimmten Autors informieren möchte, sollte darum den alphabetisch und den systematisch geordneten Katalog zu Rate ziehen.

Aber nicht nur Monographien, sondern Druckschriften fast aller Art werden gesammelt: Zeitungen, Zeitschriften, Vereins- und Festschriften, Jahresberichte, Firmenschriften usw. Mehr als 80 Periodika sind auch inhaltlich erschlossen. Die ausgewählten Beiträge stehen - nach dem Schlagwortprinzip geordnet - in der umfangreichen Zeitschriftenauswertungskartei.

Eine Zeitung verdient besonders hervorgehoben zu werden: der "Vogtländische Anzeiger".
Dr. Bruno Sauer bezeichnete diese Zeitung 1939 als "ein mit Geld gar nicht aufzuwiegendes Werkstück im Zeitschriftenarchiv der Stadtbücherei" sowohl "als Chronik wie als wissenschaftliches Organ vieler namhaften Heimatforscher".4 Einige dieser Wissenschaftler, wie z.B. Prof. Eduard Johnson, haben fast ausschließlich im "Anzeiger" publiziert. Die Vogtlandbibliothek besitzt die bekannteste Zeitung unserer Region fast lückenlos von 1789 bis April 1945.

Die Regional-
Abteilung sammelt
und bewahrt fast
alle über das Vogt-
land erschienenen
Publikationen.

 

Im Jahre 1930 war mit der Erarbeitung eines vogtländischen Schriftennachweises begonnen worden. 1939 enthielt das Verzeichnis in zwei Karteien (alphabetisch und systematisch) bereits je rund 12.000 Sach- und Verfassernachweise. Heute wird dieses Verzeichnis allerdings nur noch selten genutzt. Die Arbeit mit den o.g. modernen Katalogen, deren Aufbau sich an der allgemeinen Bibliothekssystematik orientiert, ist sowohl für Mitarbeiter als auch für Besucher günstiger und vorteilhafter. Für den "Vogtländischen Anzeiger" ist der vogtländische Schriftennachweis aber nach wie vor das einzige und darum unverzichtbare Erschließungsmittel.

Täglich nutzen Besucher fast aller Altersstufen den umfangreichen Bestand der Regionalabteilung:
Schüler der Unterstufe entleihen Sagenbücher und möchten dabei auch etwas über den Ort der Handlung erfahren. Schüler der Realschulen und Gymnasien erforschen an Projekttagen die Geschichte der Stadt Plauen, Besonderheiten ihrer Bauwerke usw. Heimatforscher sammeln Fakten für ihre Ortschroniken. Bürger aus nah und fern studieren Adreßbücher und andere Nachschlagewerke, um Kenntnisse (Wohnung, Firma, Berufe usw.) über ihre Vorfahren zu erhalten.

Heute ist es jedoch nicht weniger schwierig als zur Zeit der Gründung der Stadtbibliothek oder während der 100 Jahre ihrer Geschichte, möglichst alle Neuerscheinungen, die für den regionalen Bestand wichtig wären, zu erwerben.

Viele Schriften erscheinen nicht im Buchhandel, sondern werden von Vereinen, Institutionen, Betrieben usw. herausgegeben. Das aufmerksame Studium der Zeitungen und Zeitschriften der Region ist darum ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit des Bibliothekars in der Regionalabteilung. Deshalb ist all jenen Heimatfreunden sehr herzlich zu danken, die der Bibliothek entsprechende Hinweise geben oder gar bewahrenswerte Zeitzeugnisse zur Verfügung stellen können - im Dienste einer Erkenntnis, die Kurt Arnold Findeisen in dem Satz zusammenfaßte: "Die Heimat ist das Herz der Welt".

 

Verborgene Schätze im Altbestand

Die Bibliothek bewahrt etwa 25.000 Bände wissenschaftlichen Altbestand, der aus den verschiedenen Neustrukturierungen der Wissenschaftlichen Abteilung hervorgegangen ist. Dieser Bestand bietet bibliophile Kostbarkeiten genauso, wie er noch heute nutzbare Veröffentlichungen von Klassikern und wichtigen historischen und kunsthistorischen Quelleneditionen und Publikationen enthält.

Ledereinband einer albertinischen Gesetzessammlung aus dem
16. Jahrhundert
aus dem Besitz des Rates der Stadt Plauen (Subralibros)

 

Neben einer Inkunabel, die noch vor 1500 in Venedig gedruckt wurde, steht eine Stadtordnung des 16. Jahrhunderts, die im Besitz des Rates der Stadt Plauen war. Eine Bibel aus dem 17. Jahrhundert drückt das Regal mit den 1933 von Dr. Sauer geretteten Büchern. Sogar das Kapital von Karl Marx und die Werke Rosa Luxemburgs haben ihren Platz neben der Weimarer Lutherausgabe. Anknüpfend an die besonders von Dr. Bruno Sauer gepflegte bibliographische Arbeit der Bibliothek erschließen zwei gedruckte Bibliographien den Zeitschriftensammelbestand und die bis 1600 erschienen Drucke. Aufgabe der nächsten Jahre muß die weitere Erschließung des Bestandes sein, um den zum Teil einmaligen Bestand für die Benutzer zu öffnen.

 

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1 Sauer 1930, S. 45
2 Verzeichnis der Büchersammlung 1888
3 Lenke 1986, S. 25: Januar 1985 = 5228 BE
4 Sauer 1939

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