Kinderbibliothek

Kinderbibliothek Plauen
Geschichte und Entwicklung

Am Freitag, den 1. Juni 1951 berichtete die Freie Presse, daß es der Stadt Plauen ermöglicht wurde, den Kindern der Stadt eine "Muster-Kinder-Bücherei zur Benutzung zu übergeben ... Die Eröffnung findet am Tag des Kindes, also am 1. Juni, um 18.00 Uhr mir der Veranstaltung einer heiteren Lesestunde statt, zu der alle jungen Leser recht herzlich eingeladen sind. ... Diese Muster-Kinder-Bücherei ist die erste von zehn, die in unserer Republik errichtet werden. ... In den Regalen sind nicht nur all die Lieblingsbücher unserer Kinder enthalten, sondern auch belehrende Werke aller Art, die ihnen helfen sollen, ihre Kenntnisse von Welt, und Mensch, von Natur und Technik und vielen anderen Wissenswerten schnell und solide zu erweitern. Selbstverständlich werden auch Jugendzeitschriften zur Benutzung bereitliegen. ...". Voraussetzung für diese Entscheidung bildete das "Gesetzt über die Teilnahme der Jugend am Aufbau der DDR...". Die Mittel wurden aus dem Kulturfond der DDR bereitgestellt. Seit diesem Tag gehört die Kinderbibliothek zum kulturellen Leben der Stadt und ist als außerschulische Bildungseinrichtung aus dem kindlichen Leben nicht mehr wegzudenken. In den Jahren ihres Bestehens hat sie mitgeholfen, bei einer Vielzahl von jungen Menschen Freude und Vergnügen am Lesen zu wecken, das nötige Verständnis für Literatur zu schaffen und die richtige Auswahl zu treffen. Wer schon als Kind geübt hat und weiß, wo er einen guten Rat bekommen kann, wird auch in späteren Jahren zum Buch greifen, wird sein Leben lang Bücher lieben und schätzen.
Mit 1.332 Büchern und 159 angemeldeten Lesern sowie 840 Entleihungen am Monatsende war der Beginn für die damaligen Verhältnisse sicher ein großer Erfolg, aber recht bescheiden aus heutiger Sicht.

1993 -
Die Kinderbibliothek fand auch in ihrer alten Gestalt großen Anklang bei den Kindern.

 

 

 

So stehen für die heutigen Benutzer, entsprechend der Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, neben Büchern auch noch andere Medien zur Ausleihe bereit. Sie können aus einem Bestand von 32.000 Bänden, 3.000 Tonträgern (Tonkassetten, Compact Disc), 250 Spielen und 4 Zeitschriften auswählen. Am Ende des Jahres 1997 waren 2.500 der 6 bis 13 jährigen Kinder Benutzer der Kinderbibliothek und ihrer Zweigbibliotheken. Sie entliehen in diesem Jahr 72.900 Bände Belletristik und Sachliteratur, 40.000 Tonträger, 2.035 Spiele und 2.500 Zeitschriften.

Bibliotheken sind auf Dauer nur attraktiv und interessant für ihre Benutzer, wenn sie ihnen einen ständig erneuerten und modernen Bestand anbieten, der ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht. Das gilt natürlich vor allem für Kinderbibliotheken. Kinder entdecken jeden Tag ihre Welt neu, haben ständig Fragen, suchen nach Antworten. Die Bibliothek bietet ihnen einen ungehinderten Zugang zu geeigneten Informationsquellen, ob nun auf dem Gebiet der Belletristik oder der Sachliteratur. Entscheidend dafür ist allerdings eine benutzerfreundliche Erschließung des Bestandes durch eine entsprechende systematische Aufstellung und durch gut ausgebaute Kataloge.

Nach aufwendiger Neusystematisierung des gesamten Bestandes eröffnete die Kinderbibliothek nach 10 Jahren, wiederum am 1. Juni 1961, ihre Freihandausleihe. Aufgestellt nach Altersgruppen und nach einer inhaltlichen Gliederung, war der gesamte Bestand für die "Leseratten" frei zugänglich. Sie konnten sich in Ruhe am Regal ihre Lektüre zusammenstellen, auch schon mal etwas anlesen. Hilfe fanden sie jederzeit bei den Fachleuten.

Um den Kindern den Weg zum Buch zu verkürzen, wurde 1954 begonnen, in Schulen Zweigstellen der Kinderbibliothek einzurichten. Der Bestandsaufbau und die Einarbeitung erfolgte in der Hauptstelle, Die Ausleihtätigkeit wurde von Bibliotheksmitarbeitern, an einigen Schulen auch von Lehren durchgeführt. Für neu entstehende Schulen wurde bereits während der Bauphase mit dem Bestandsaufbau begonnen, so daß die Schüler neben der neuen Schule auch eine Bibliothek vorfanden. 1972 wurde in einer Vereinbarung mit der Abteilung Volksbildung beim Rat der Stadt Plauen diese Zusammenarbeit noch einmal bestätigt. Im Neubaugebiet Chrieschwitz wurde im Oktober 1982 für alle drei neuen Schulen eine zentrale Kinderbibliothek eröffnet.

Nach mehreren Veränderungen sind heute Kinder- und Erwachsenenbibliothek in einer Einrichtung für die kleinen und großen Bewohner dieses Stadtteiles zugänglich. Auf Grund von Veränderungen des Schulnetzes in Plauen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nur noch Zweigstellen in den Grundschulen Astrid Lindgren, Karl Marx und Dr. Salvador Allende. In der letzteren sind sehr eifrige Benutzer die Schüler der 5. und 6. Klassen des Lessing-Gymnasiums, das hier eine Außenstelle hat. Beim Bestandsaufbau wird das natürlich berücksichtigt. Außerdem sind Zweigbibliotheken in der Friedrich-Rückert-Schule und der Schule "Kuntzehöhe", die die Schüler der jeweiligen Grund- und Mittelschule intensiv nutzen.

Arbeit mit dem Buch und mit dem kindlichen Leser beinhaltet nicht nur die Tätigkeit in der Bibliothek, sondern wird auch außerhalb der Einrichtung geleistet. Auf unterschiedlichste Weise werden Kinder mit dem Buch vertraut gemacht, werden ihnen Hinweise zum Zugang zur Bibliothek mit ihren vielfältigen Möglichkeiten gegeben. So gab und gibt es enge Kontakte zu Pädagogen. Vor allem im Fach Deutsch wird mit thematischen Buchbesprechungen und mit Titelzusammenstellungen zur interessanten Unterrichtsgestaltung beigetragen. Ausgehend vom Lehrplan wurden in jedem Schuljahr die 2. und 5. Klassen in die Bibliotheksbenutzung eingeführt, lernten sie den Umgang mit Nachschlagewerken und Katalogen kennen. Viele Schulen wählen bei ihren Projekttagen Themen, deren Erarbeitung auch einen Besuch der Kinderbibliothek einschließt.

1997 - Die neuen Räume der Kinderbibliothek laden zum Verweilen und Schmökern ein.

 

 

Ein gutes Buch bringt aber auch Entspannung und Freude. In zahlreichen Veranstaltungen, wie Buchbesprechungen, Märchenstunden, Rätselnachmittagen oder Autorenlesungen wurde mit den Kindern gemeinsam in ferne Welten gereist, wurden Abenteuer erlebt oder neue Freunde gefunden. Besonders in den Sommer- und Winterferien nutzen die Kinderhorte und Ferienlager diese Angebote. Etwa 150 Veranstaltungen führten die Mitarbeiter der Bibliothek jährlich durch. "Von Anton bis Zylinder - Literatur und Musik für Kinder" so hieß eine große bunte Veranstaltung, die am 1. Juni 1976, anläßlich des 25. Jahrestages der Eröffnung der Kinderbibliothek gestaltet wurde. Bei den "Tagen der Kinder- und Jugendliteratur" 1978 konnten die jungen Leser mit Autoren und Illustratoren Bekanntschaft schließen. Hannes Hüttner, Konrad Golz, Gertrud Zucker u. a. unterhielten sich mit ihren Lesern oder malten mit ihnen. Doch auch außerhalb dieser Großveranstaltung kam es zu interessanten Begegnungen. Ob Ursula Ullrich, Horst Neubert oder Günter Saalmann, alle fanden begeistert Aufnahme bei ihren Lesern.

Immer wieder locken originelle Veranstaltungen Kinder und Jugendliche in die Bibliothek.

Die politische und gesellschaftliche Wende 1989 brachte auch den Bibliotheken einschneidende Veränderungen. Bestände mußten gesichtet werden. Nicht jeder Titel wurde mit seiner Thematik noch gebraucht. Andererseits gab es viele neue Fragen und Antworten, dazu wurden unter anderem auch in der Bibliothek mit ihren Beständen gesucht. Ein unüberschaubares Angebot an Kinderliteratur war plötzlich vorhanden, in der Qualität sehr unterschiedlich. Nicht jeder Titel war geeignet, dem Auftrag der Bibliothek entsprechend, einen Platz in ihren Regalen einzunehmen.

Die Kinderbibliothek Plauen hatte das große Glück, 1991 über 900 Bücher als Geschenk zu bekommen. Es waren Titel der erzählenden Literatur für alle Altersstufen, Bilderbücher, vor allem aber Sachbücher der verschiedensten Wissensgebiete. Sie gehörten zu der Ausstellung "Buch der Jugend", die in den Bibliotheken der neuen Bundesländer präsentiert wurde. Am 13. Mai 1991 wurde sie in den Räumen der Kinderbibliothek eröffnet und zahlreiche Besucher informierten sich über dieses vielfältige Literaturangebot. Nach Beendigung der Ausstellung gehörten die ausgestellten Titel zu den "Rennern" in der Ausleihe. 1992 wurde durch einige bauliche Veränderungen die Ausleihfläche in der Kinderbibliothek erweitert und eine neue Sitzecke geschaffen, die sogleich von den Benutzern zum Schmökern genutzt wurde. Wie wichtig das Buch auch als Helfer in bedrückenden Situationen sein kann, zeigte sich bei einer Projektwoche zu dem Thema "Gewalt in der Familie - sexueller Mißbrauch", die von der Gleichstellungsstelle der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit Kinderschutzbund, Frauenhaus, Weißer Ring, Polizei u.a. 1994 durchgeführt wurde. Mit entsprechenden Literaturempfehlungen und Buchbesprechungen, vor allem aber mit der Autorin Heidi Hassenmüller und ihren Lesungen unterstützte die Bibliothek dieses Vorhaben. Ähnlich war es bei dem Projekt "Mädchen im Kinderbuch". Hier wurden vor allem Vorschuleinrichtungen angesprochen.

Seit 1990 beteiligten sich nun auch die Schulen in den neuen Bundesländern am "Vorlese-Wettbewerb des deutschen Buchhandels." Seit 1959 findet er alljährlich unter Sechstklässlern statt. Vom Klassenausscheid bis zum Bundesausscheid wird um die Wette gelesen. Bei den Stadtausscheiden gibt die Bibliothek ihre Unterstützung bei der Titelauswahl oder der Ausgestaltung der Veranstaltung.

Am 15. Oktober 1993 begannen in der Vogtlandbibliothek umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten, die neben Lärm und Schmutz vor allem Einschränkungen im Ausleihbetrieb mit sich brachten. Ständig mußten Bestände umgelagert werden, um sie vor Verschmutzung zu schützen oder Baufreiheit zu schaffen. Regale wurden enger zusammengerückt, um den Benutzern trotz verringerter Ausleihfläche einen großen Teil des Bestandes auch weiterhin anzubieten. Trotz dieser eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten wurde versucht, die Veranstaltungstätigkeit, wenn auch nur bedingt, aufrechtzuerhalten. Erinnert sei an die 1. Lese-Grusel-Spiel-Nacht am 18. Juli 1995 oder an die Probenacht mit der 7. Klasse des Albert-Einstein-Gymnasiums zu Shakespeares "Romeo und Julia".

Am 29. November 1996 konnte im Rahmen der Neueröffnung der Vogtlandbibliothek auch den Kindern eine neugestaltete, räumlich großzügig angelegte und modern ausgestattete Kinderbibliothek übergeben werden. Voller Begeisterung wurde sie bei einem Bibliotheksfest mit Leselöwengeschichten, von einem "echten Leselöwen" dargeboten, und mit Spiel und Musik von den jugendlichen Benutzern angenommen, und bis heute ist es so geblieben. Das zeigt sich bei Veranstaltungen, bei Spielnachmittagen oder einfach in der täglichen Ausleihe. Jährlich verlassen die älteren Leser die Kinderbibliothek, denn für die 14jährigen lockt die Erwachsenenabteilung mit ihrem breitgefächerten Angebot. Die Kinderbibliothek ist für sie nun Vergangenheit, es sei denn, sie kommen mit jüngeren Geschwistern. Die Freundschaft zur Bibliothek aber begann in dieser Einrichtung. Hier lernten sie die ersten Schritte in der Bibliotheksbenutzung, die ihnen nun auch in allen anderen Bibliotheken helfen werden, die richtige Auswahl zu treffen. Jedes Jahr kommen aber auch wieder neue Leser, die gerade erst das ABC gelernt haben und sich nun in die Bibliothek wagen, geleitet von Eltern oder Großeltern, die selbst vielleicht einmal in dieser "Schatzkammer des Wissens" ihre Liebe zum Buch entdecken.

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