Geschichte und Struktur der Bibliothek
1898 wurde aufgrund eines Ratsbeschlusses der Stadt Plauen die Gründung einer Stadtbibliothek festgelegt. Anlass dazu gab die Witwe eines Rechtsanwaltes, die der Stadt die umfangreiche Bibliothek ihres Mannes schenkte.
Die gute wirtschaftliche Lage Plauens im ausgehenden 19. Jahrhundert, dank florierender Textil - und Spitzenindustrie und der damit verbundene Bildungsanstieg der Bürger, erforderte auch ein entsprechendes kulturelles Angebot. Es gab zwar mehr als 10 Kilometer Straßenbahnlinien in der Stadt, aber weder ein ständiges Theater, noch ein Museum oder eine Bibliothek.
Aber am 06.10.1900 war es dann endlich soweit. Die Stadtbibliothek Plauen konnte nun für die öffentliche Benutzung freigegeben werden. Zu Beginn enthielt die Bibliothek hauptsächlich Sachliteratur aus den Bereichen Geschichte, Orts- und Rechtskunde. Da der Bestand anfangs verhältnismäßig klein war, erfolgte die erste Ausleihe nur in drei Räumen des Hauses des Plauener Stadtrates.

In den folgenden Jahren der Bibliothek wuchs auch der Bestand immer an, so dass man mehrere Umzüge in größere Räumlichkeiten nicht vermeiden konnte. Oft ließen aber die Platzverhältnisse und auch andere Bedingungen in gerade neu bezogenen Gebäuden schon zu wünschen übrig.
Im Jahre 1927 sollte sich jedoch für die Plauener Bibliothek einiges ändern. Sie bekam ihren ersten hauptamtlichen Leiter, Dr. Bruno Sauer, der mit dem systematischen Ausbau der Bibliothek begann. Übernahmen in den Jahren zuvor meist Realschul- oder Gymnasiallehrer die bibliothekarische Tätigkeit noch zusätzlich zu ihrem Beruf, hatte man nun einen Fachmann im alleinigen Dienst für die Bibliothek. Dr. Sauer führte unter anderem zur wissenschaftlichen und regionalen Literatur die Belletristik ein.
Nach 1933 litt die Stadtbibliothek Plauen, wie auch alle anderen kulturellen Einrichtungen zu dieser Zeit, unter der Gleichschaltungspolitik und Säuberungsaktionen des Nationalsozialismus. Die Bibliothek wurde sogar vom 24.07.1933 bis 05.08.1933 wegen sogenannter Reinigungs- und Ordnungsarbeiten geschlossen. Auch hier fällt dem noch im Amt belassenen Dr. Sauer ein großer Verdienst zu. Er rettete viele Bücher, die den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge waren, in den Magazinbestand der wissenschaftlichen Abteilung und bewahrte sie somit vor ihrer Vernichtung.

Trotzdem verlor die Bibliothek große Teile ihrer Bestände durch weitere Säuberungsaktionen, aber hauptsächlich wegen der schwerwiegenden Kriegseinwirkungen in Plauen im Jahre 1945.
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches arbeitete die Stadtbücherei unter schwierigsten Bedingungen weiter. Als Plauen in die sowjetische Besatzungszone eingegliedert wurde, mußte sich die Bibliothekspolitik an den Befehlen der SMAD ausrichten. Man begann die Bibliotheken umzukrempeln. Literaturpropaganda hieß das neue Schlagwort. Nationalistische und militäristische Literatur wurde entfernt.
Am 18.02.1946 konnte der Bibliotheksleiter Albin Grau die Ausleihe mit 35 000 Bänden wieder eröffnen. Dem war ein langer Weg vorausgegangen: "ohne Heizung, mit steifen Fingern und halberfrorenen Füßen wurden den Winter über die Bücher gesäubert und katalogisiert." Die Autoren, die im Nationalsozialismus verboten waren, wurden nun "den Schaffenden" wieder zugänglich gemacht.
1947 kehrte Dr. Bruno Sauer aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Trotz zahlreicher Bemühungen und seinem Einsatz für die verbotenen Bücher gelang es ihm nicht, seine Stelle in der Bibliothek zurückzubekommen (man warf ihm den 1938 erzwungenen Beitritt zur NSDAP vor).
1948 mußte die Bibliothek um ihre Unterbringung kämpfen. Das Gebäude, das sich die Bibliothek mit dem Gesundheitsamt teilte, war viel zu klein.
Obwohl Sachsen mit der Gründung der DDR 1949 ein sehr fortschrittliches Gesetz erlassen hatte, konnte dies kaum wirken, da die Kulturhoheit zentralisiert wurde. Die Auflösung der Länder brachte zwar für das Bibliothekswesen einen enormen Aufschwung, die Bestandsarbeit war jedoch engen staatlichen Zwängen unterworfen. Werke, die den Idealen widersprachen, sollten ausgesondert werden.
1950 übernahm die Bibliothekarin Gerda Hilpert die Leitung der Bibliothek. In sehr aktiver Weise begann sie die Bücherei den gesellschaftlichen Erfordernissen anzupassen. Die Mitarbeiter der Bibliothek wurden nun zur besseren Wahrnehmung ihrer Pflichten entsprechend geschult. 1951 konnte in Plauen die erste Musterkinderbibliothek der DDR eröffnet werden.
1956 bezog die Bücherei die freigewordenen Räume der Stadtbezirksverwaltung (Neundorfer Straße). Doch auch dieses Gebäude war nicht ideal. Die Bibliothek mußte sich dieses mit vielen anderen Einrichtungen teilen, die Tragfähigkeit der Decken reichte für Bücherregale nicht aus und die Keller waren feucht.
1960 wurde die Freihandabteilung im Erdgeschoß eröffnet. Heinz Fügner übernahm die Leitung der Bibliothek. 1951 wurde die wissenschaftliche Bibliothek in ihrer bisherigen Form aufgelöst. Ihre Bestände gingen in die der allgemeinen öffentlichen Bibliothek, Kultureinrichtungen, andere Bibliotheken, das Zentralantiquariat oder schlimmsten Falls in den Altstoffhandel über.
1957 konnte die wissenschaftliche Abteilung in neuer Gestalt wiedereröffnet werden.
Mitte der 60er Jahre erforderten neue audiovisuelle Medien die Anpassung der Bibliothek, die jetzt den Namen "Stadtbibliothek" bekam. In dieser Zeit begann auch eine innere Reorganisation. Eine zentrale Abteilung übernahm für alle Abteilungen die technische Abwicklung. Auch neue Technik hielt Einzug: 1965 erhielt die Bücherei das erste Mikrofilmlesegerät. 1964 wurde die Bibliothek Mitglied im neu gegründeten Bibliotheksverband der DDR. 1962 eröffnete die Musikbibliothek (1968 erste LP's). 1971 wurde die Bücherei Mitglied in der internationalen Vereinigung der Musikbibliotheken. Trotz dieser rasanten Entwicklung stagnierten die Leserzahlen, da es mehr Abgänge als Zugänge gab. Mit den zahlreichen Veränderungen entwickelte sich die Plauener Bücherei zur Profibibliothek. 1975, nach dem plötzlichen Ableben Heinz Fügners, wurde die Diplomgesellschaftswissenschaftlerin Christa Schellenberger Leiterin. Es begann der Aufbau einer Konsultationsstelle für Literaturpropaganda. 
Ende der 80er erreichte die Stadtbibliothek, unter der Leitung von Peter Klebert, einen Höhepunkt ihrer Entwicklung. Sie war die bibliothekarische Leiteinrichtung des Stadtkreises Plauen und unterhielt ca. 40 Zweigstellen und Außenstellen. Gleichzeitig mit dem Erfolg wurden die bauliche Substanz und die technische Ausstattung völlig vernachlässigt.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands entstanden für die Bibliotheken neue Probleme, aber auch neue Chancen. Die Büchereien der neuen Länder mußten auf die Leserwünsche umorientieren und den Anschluß an die Informationsgesellschaft suchen. Dies ermöglichten sofort nach der Wende fließende Fördermittel und der Zugang zu neuen Informations- und Einkaufsmöglichkeiten. Der Schwerpunkt der Ausleihe verlagerte sich immer mehr in die Hauptbibliothek. 1993 erhielt die Plauener Stadtbibliothek den Namen "Vogtlandbibliothek". Die Konsultationsstelle, die Informationsstelle und die Artothek wurden geschlossen. Im gleichen Jahr eröffnete die Videothek, Günther Reichel wurde Leiter, die Renovierung des Gebäudes begann und der erste Computer mit CD-ROM Laufwerk wurde aufgestellt. 1994 begann dieDatenerfassung für das computergestützte Auskunfts- und Ausleihsystem. 1997 wurden alle Computer vernetzt. Nach und nach wurden alle Abteilungen auf Computerausleihe umgestellt. 1998 stellte die Bibliothek den ersten CD-ROM-Arbeitsplatz für Besucher auf und seit 2000 gibt es Internetarbeitsplätze.
Angesichts der modernen Verkehrswege und der knappen Mittel wurden nach und nach alle Außenstellen geschlossen. Lediglich die Zweigstelle Chrieschwitz und die Büchereien der Schulen blieben erhalten.
Trotz des von 1992 - 97 währenden Umbaus des Hauses Neundorfer Straße 8 stand die Bücherei (bis auf wenige Tage) den Nutzern stets zur Verfügung. 1997 eröffneten alle Abteilungen in neuen, schönen und hellen Räumen.
Heute stellt sich die Vogtlandbibliothek als eine sich ständig weiterentwickelnde, zugleich aber auch für Bewahrung sorgende Informationseinrichtung dar.

